Kämme machen im Fundgut eine zahlenmässig große Menge aus. Zudem sind sie auch die spektakulärsten Stücke.
In der Regel waren frühmittelalterliche Kämme 3-Lagenkämme und aus Geweihmaterial gefertigt. Kämme aus Knochen bilden die Ausnahme. Lediglich Kammfuterale sind regional häufiger aus Knochen gefertigt.
Das zeigt, dass das Material nicht nur nach Verfügbarkeit gewählt wurde (teilweise wurden verschiedene Geweiharten anscheindend auch extra importiert), sondern in erster Linie nach Eignung für bestimmte Gegenstände.
In diesem Fall zählen besonders die Zinkenblättchen dazu, die aus Geweih feiner zu arbeiten sind als Knochen.
Die Kämme bestehen aus 3 Lagen (2 Kammbügel und dazwischen die Zinkenblättchen). Die Anzahl der Zinkenblättchen variiert je nach deren Größe, der ja aufgrund der Geweihbreite Grenzen gesetzt sind und der Länge des Kammes.
Ein großer Teil der Kämme hat deren 5-7.
Die Fertigung erfolgt zunächst mit der Herstellung der Bügel, die zunächst aneinander angepasst und den Bearbeitungsspuren nach, meist in diesem Stadium verziert werden. Anschließend werden die Zinkenblättchen hergestellt, zwischen den Bügeln fixiert und dann vernietet. Dabei ist es meist so, dass lediglich die äußeren Zinkenblättchen separat vernietet sind. Die anderen Blättchen sind dann meist paarweise genietet.
Ich gehe davon aus, dass die Blättchen zusätzlich mithilfe einer Klebmasse verklebt waren, da es auch Kämme gibt, bei d3nen einzelne Zinkenblättchen gar keinen Kontakt zu Nieten haben. Dafür liegen meines Wissens nach aber keine Nachweise vor.
Dann werden die Zinken in den Kamm gesägt, fein bearbeitet und poliert.
Zu "meiner Zeit" bestanden die Verzierungen meist nur aus einfachen Sägelinien, Ritzmustern und Kreisaugen.
