Die übliche Kleidung eines Mannes im Frühmittelalter bestand wohl grob aufgelistet aus Kittel/Tunika, Untertunika, Hose sowie wendegenähten Schuhen und gegebenenfalls einem Rechteckmantel.
Alle diese Kleidungsstücke können, im Prinzip zwar ähnlich, aber nach vorhandenen Mitteln des Besitzers in Qualität, Verarbeitung und Farbe sehr unterschiedlich ausfallen.


Meine Kleidung ist in erster Linie aus reiner Wolle und seltener aus Leinen gefertigt. Sie ist entweder pflanzengefärbt (färben macht Spass *g*) oder naturbelassen. Wir hoffen im Laufe dieses Jahres die Kleidung komplett auf "selbstgewebt" umstellen zu können. Ausser den weiter unten schon genannten Beinwickeln ist demnächst wohl der neue Rechteckmantel fertig. Die Herstellung des Stoffes für Kittel und Hose wird dann etwas filigraner. Das Fundgut zeigt, daß damalige Stoffe, entgegen heutiger, landläufiger Ansicht, keineswegs grob und krude waren. Gewebe mit 12-20 Kettfäden auf den cm machen das Groß aus.

Ich versuche meine Kleidung nach logischen Gesichtspunkten und den wenigen interpretierbaren Funden zu erstellen. Ein Hauptaugenmerk dürfte wohl gewesen sein, mit möglichst wenig Verschnitt auszukommen. Jeder der schon einmal mit der Spindel selbst gesponnen und das auch selbst verwebt hat, kann diesen Gedankengang mit Sicherheit nachvollziehen.


Ich möchte hier weder konkrete Schnitte noch irgendwelche Anleitungen zur Fertigung geben, da ich mich dafür nun nicht als absoluten Experten sehe und der Meinung bin, daß etwas Eigenrecherche unerlässlich ist. Zudem möchte ich auch nicht dafür verantwortlich sein, daß eventuelle Fehler meinerseits unreflektiert übernommen werden.


Dennoch kurz:
Für Kittel/Tuniken favorisiere ich einen Schnitt, der auf rechteckigen Stoffstücken basiert. Die Erweiterungskeile entstehen bei mir aus den Abschnitten vom Ärmelzuschnitt.


Meine Hosen sind ähnlich den Damendorf- und Thorsbergfund, jedoch mit leichten Veränderungen, die mir die Logik beim Nähen gebot (wieder mit der Prämisse Verschnitt zu verhindern).
An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal herzlich bei Beate für das viele Input dazu und den Damendorfschnitt bedanken!


Die Herstellung eines Rechteckmantels braucht wohl nicht gesondert erläutert zu werden.


Bleiben die Schuhe: Ein Paar meiner Schuhe ist nach einem Fund aus York von Gjalt de Wabbere (dem meines Erachten genialsten Wendeschuhmacher) gemacht. Das zweite zweiknebelige durfte ich unter seiner Anleitung nach seiner Rekonstruktion selbst nähen. Und wo wir schonmal dabei sind auch ihm ein ganz liebes Dankeschön für die Schuhe und die langen, konstruktiven und netten Unterhaltungen zu diesem Thema!


Vervollständigt wird meine Klamotte unten durch selbstgewebte Beinwickel in Fischgratbindung und oben drauf bevorzuge ich phrygische Mützen (böse Menschen nennen die auch Schlumpfmützen). Diese Mützenform ist durch einige frühmittelalterlichen Abbildungen bekannt und dürfte auch vor allem im angelsächsischen Dunstraum sehr „modern“ gewesen sein.



Hier einmal ein Poserbild in Ausgehklamotte (das Blau ist tatsächlich eine Indigofärbung):